Interview

1. Warum ist Ihnen soziales Engagement wichtig?
Als Flüchtlingskind weiß ich, was es bedeutet, ausgegrenzt und mittellos zu sein.
Deshalb berühren mich Menschen sehr, die am Rande der Gesellschaft stehen.

 

2. Sie engagieren sich für die Themen Essstörungen und die Lebenssituation von Asylbewerbern. Welche Ziele möchten Sie mit diesen beiden Projekten erreichen?
Ich möchte Themen enttabuisieren und aufklären. Nur wenige Menschen interessieren sich dafür, dass Asylbewerber verschiedener Nationalitäten und Religionen in Heimen über Monate auf allerengstem Raum leben müssen. Mir geht es bei dieser Förderung deshalb sehr stark um Freizeitbeschäftigung, aber auch um Fortbildung. Es ist wichtig, den Flüchtlingen Perspektiven aufzuzeigen. Das Erlernen eines Handwerks könnte beispielsweise ein Schritt sein, der sie eine Stufe auf ihrem Weg weiter bringt.
Beim Thema Magersucht möchte ich vermitteln, dass es sich hier um eine Krankheit handelt und nicht um den Spleen eines jungen Menschen, der überschlank sein möchte. Es müssen die Eltern ins Boot geholt werden, aber genau das ist besonders schwierig, denn die fühlen sich sehr schnell angegriffen oder schuldig.

 

3. Was sind für Sie die größten Herausforderungen Ihres Engagements?
Lernen, sich zu beschränken, nicht zu viel zu fördern, sondern einen Fokus zu setzen. Ich konzentriere mich auf zwei Projekte, bringe mich ein und statte sie mit dem notwendigen Geld aus, um Nachhaltiges bewirken zu können.

 

4. Wie wählen Sie Ihre Projekte aus?
Hier geht es wieder um Ausgrenzung. Ich entscheide mich für Projekte wie Magersucht oder die Verbesserung der Lebensumstände von Asylbewerbern, die keine große Lobby haben. Auf die Asylbewerberproblematik bin ich aufmerksam geworden, als wir in einem Heim Spielzeug meiner Tochter abgegeben haben und ich mir ein Bild von den Zuständen machen konnte. Ich kann nicht darüber urteilen, wer bleiben darf, aber ich möchte helfen, die Zeit des Wartens menschenwürdig zu gestalten.

 

5. Gibt es einen Grund, warum Sie gerade jetzt einen Teil Ihrer Sammlung verkaufen, um Ihre Projekte besser unterstützen zu können?
Es werden heute mehrere Millionen Euro für ein Bild ausgegeben, die Preise überschlagen sich.
In unserer Wohlstandsgesellschaft ist vielen gar nicht mehr bewusst, dass es auch bei uns Menschen gibt, denen es schlecht geht, die nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen. Aus dieser Sicht betrachtet wirkt der Kunstboom noch viel befremdlicher. Es ist einfach schockierend, wie stark die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht. Daher habe ich mir überlegt, einen Teil meiner Sammlung zu verkaufen, um soziale Zwecke besser unterstützen zu können.

 

6. Was ist Ihnen wichtig beim Thema Magersucht?
Magersucht ist ein heikles Thema, das weder von den Betroffenen noch von den Eltern gerne angesprochen wird. Dabei ist es eine Krankheit, die große physische und psychische Risiken birgt. Die Spätschäden sind immens, und leider ist auch die Todesrate verhältnismäßig hoch. Ich möchte erreichen, dass über dieses Thema offen gesprochen wird, dass Betroffene sich selbstverständlich an Therapeuten wenden können. Außerdem ist es mein Ziel, dass es in Zukunft genügend Möglichkeiten gibt, die solche Patienten in einem Notfall schnell helfen und speziell dafür ausgebildete Psychologen bereit stellen.
Ich plane, mich bereits bestehenden Organisationen anzuschließen, die mir bei der Einrichtung von Beratungsstellen gerade in Gebieten außerhalb von Großstädten behilflich sein können. Denn besonders dort ist es für die Betroffenen und ihre Familienangehörigen sehr schwer, Hilfe und Therapiemöglichkeiten zu finden.

 

7. Wie unterstützen Sie Asylbewerber?
Die von uns unterstützten Organisationen haben viel zu wenig Therapeuten, die sich die Schicksale anhören und die Menschen auffangen können. Hier möchte ich in Zukunft noch mehr helfen. Bisher unterstütze ich z. B. ein Kinderprogramm, damit die Mütter mal Luft holen können. Zudem haben wir einen Raum für Video und Film eingerichtet, damit die Asylbewerber mal auf andere Gedanken kommen können. Bislang war die einzige Alternative, abends um acht Uhr ins Bett zu gehen.
Im Fall der Asylbewerber finde ich es sehr bedauerlich, wie wenig die verantwortlichen Behörden tun, obwohl manche Hilfsleistungen gar nicht kostspielig wären.

8. Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Einsatz die größte Wirkung entfaltet?
Fokussieren. Dann kann man das Projekt der Öffentlichkeit nahe bringen, um das Thema in der Gesellschaft zu verankern und weitere Unterstützer für die Sache zu gewinnen. Ganz toll fand ich, dass das Auktionshaus Christie’s spontan Geld für das Projekt Magersucht gegeben hat, weil es ein Thema sei, das uns alle berührt. So etwas ist natürlich wunderbar, und ich hoffe, dass andere vielleicht einen ähnlichen Impuls haben oder Ideen einbringen möchten.

 

9. Was war bislang Ihr größter Erfolg/Fehlschlag?
Den sichtbarsten Erfolg habe ich im Asylbewerberheim erzielt. Mit zum Teil wenigen Mitteln konnten wir viele Menschen erreichen und glücklicher machen. Bei Einzelschicksalen kann man mit einer Kleinigkeit schon viel bewirken.
Ein Fehlschlag war ein Schulprojekt in Ghana, das ich unterstützt habe. Die Idee war, ein Internat für mittellose Ghanaer zu bauen, sie zu unterrichten und auszubilden, und dieses Engagement sollte irgendwann von der Regierung übernommen werden. Ich habe die Schule zusammen mit anderen finanziert, und dann stellte sich heraus, dass die Regierung von Ghana an einer Übernahme gar nicht interessiert war. Die Schule wurde dann zu einem Institut für Jugendliche, die sich eine Ausbildung leisten konnten. Das bedauere ich sehr.

 

10. Wie sehr sind Sie in den operativen Tagesablauf Ihrer Projekte eingebunden?
Projektleiter kümmern sich um das Tägliche, aber ich bin in jede Entscheidung eingebunden, habe natürlich den Überblick, bin genau informiert und immer wieder vor Ort.

 

11. Was geben Ihnen die Projekte zurück?
Es macht mich glücklich zu sehen, wenn die Projekte gelingen. Ich bekomme wunderbare Reaktionen - zum Beispiel von der Trommelgruppe aus dem Asylbewerberheim. Die haben mir geschrieben, wie bewegend es für sie war, dass Völker, die keine freundlichen Nachbarn sind, Seite an Seite getrommelt haben. Das ist nur eine von vielen Reaktionen. Und die machen mir viel Freude.

 

12. Wenn andere es Ihnen gleichtun wollten, welche wären die drei wichtigsten Ratschläge, die Sie ihnen mit auf den Weg geben würden?
Das erste ist Passion. Man sollte Gutes aus innerer Überzeugung tun und dann ein Projekt wählen, das einem am Herzen liegt.
Das zweite ist Geld – ohne geht es nicht. Und das dritte: Man muss sich selber einbringen. Ich bin oft vor Ort und kenne die Projekte sehr gut, ich spreche Politiker an, gehe auf sie zu, schreibe Briefe und versuche immer wieder, verschiedene Akteure der Gesellschaft ins Boot zu holen. Das ist ganz wichtig. Und dann bewegt sich auch etwas.

 

 

[Das Interview führte Julia Wachs von Active Philanthropy am 6. Februar 2013.]